Zum Hauptinhalt springen
praxis pelviaBeckenboden, erklärt

Beschwerdebilder

Was wir behandeln

Beckenbodenbeschwerden sind häufig, sie sind medizinisch, und sie haben Namen. Wir benutzen diese Namen hier, weil Sie sie beim Arztgespräch brauchen — und weil Sie sie vermutlich in ein Suchfeld getippt haben, um uns zu finden.

Nichts auf dieser Seite ist eine Diagnose. Beschrieben ist, was wir in der Praxis sehen und wie eine Behandlung üblicherweise abläuft, damit Sie entscheiden können, ob sich ein Befundtermin für Sie lohnt.

Jeder Befund beginnt mit einem Gespräch und einer Bewegungsuntersuchung. Eine vaginale oder rektale Untersuchung ist häufig der aussagekräftigste Weg, die Beckenbodenfunktion zu beurteilen — sie ist aber nie Voraussetzung für eine Behandlung. Wir fragen gesondert danach, erklären vorher genau, was wir tun würden, und vieles lässt sich auch ohne beurteilen.

  • 01

    Belastungsinkontinenz

    Urinverlust beim Husten, Heben, Laufen

    Am häufigsten nach Schwangerschaft und Geburt, um und nach der Menopause, nach Prostataoperationen sowie bei Menschen, die schwer heben oder viel laufen.

    Urin geht ab, wenn der Druck im Bauchraum schneller steigt als der Verschlussdruck der Harnröhre — Husten, Niesen, Lachen, Heben, Springen, der erste Schritt aus dem Bett. Das ist ein mechanisches Problem von Kraft und Timing, kein Problem der Willensstärke.

    Wie wir behandeln

    Befund von Kraft, Ausdauer und vor allem Reflextiming des Beckenbodens; dosiertes Krafttraining mit echter Belastung; Umtrainieren von Husten- und Hebemuster; EMG-Biofeedback, wenn der Muskel schwer zu spüren ist. Strukturiertes Beckenbodentraining bessert die Belastungsinkontinenz bei einem großen Teil der Betroffenen deutlich oder beseitigt sie und ist die vor einer Operation empfohlene Erstmaßnahme.

    Vorher ärztlich abklären lassen: Blut im Urin, Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, Fieber.

  • 02

    Dranginkontinenz und überaktive Blase

    Plötzlicher Harndrang, zu häufige Toilettengänge, nächtliches Aufstehen

    Alle Erwachsenen. Häufig gemeinsam mit einer Belastungsinkontinenz — die Mischform ist die häufigste überhaupt.

    Ein plötzlicher, kaum aufschiebbarer Harndrang, mehr als etwa acht Toilettengänge am Tag, mehr als einmal nächtliches Aufstehen oder Urinverlust auf dem Weg zur Toilette. Oft hat die Blase ein ungünstiges Muster gelernt, manchmal hat der Beckenboden zu viel Grundspannung, häufig beides.

    Wie wir behandeln

    Dreitägiges Blasentagebuch, Durchsicht von Trinkmenge und Reizstoffen, Drangunterdrückungstechnik, echtes Blasentraining nach Plan, Entspannung eines überaktiven Beckenbodens und, wo es hilft, Biofeedback — um das Loslassen sichtbar zu machen statt des Anspannens.

    Vorher ärztlich abklären lassen: Verdacht auf Harnwegsinfekt, Blut im Urin, neu aufgetretener Drang nach Medikamentenwechsel.

  • 03

    Senkung (Deszensus)

    Schweregefühl, Druck, Fremdkörpergefühl

    Am häufigsten nach vaginalen Geburten und nach der Menopause, außerdem bei chronischer Verstopfung, chronischem Husten oder schwerem Heben.

    Blase, Enddarm, Gebärmutter oder Scheidenwand senken sich in den Scheidenkanal. Typisch sind Schweregefühl, Ziehen oder ein Fremdkörpergefühl, das gegen Abend, nach längerem Stehen oder nach dem Heben zunimmt. Leichte bis mittlere Senkungen sind sehr häufig und kein Notfall.

    Wie wir behandeln

    Beschwerdeorientierter Befund gemeinsam mit der gynäkologischen Stadieneinteilung; angeleitetes Beckenbodentraining, das bei einem erheblichen Teil der Patientinnen Beschwerden und Senkungsgrad verringert; Belastungsmanagement für Heben, Husten und Stuhlgang; Begleitung beim Einsatz eines ärztlich angepassten Pessars — und eine ehrliche Einschätzung, wann Physiotherapie allein voraussichtlich nicht ausreicht.

    Gynäkologisch abklären lassen: sichtbares Gewebe vor dem Scheideneingang, Blutungen, kein Wasserlassen mehr möglich.

  • 04

    Rückbildung nach der Geburt

    Rektusdiastase, Narben, Wiedereinstieg in Belastung

    Nach jeder Geburt — vaginal oder per Kaiserschnitt, beim ersten oder beim vierten Kind, vor sechs Wochen oder vor sechs Jahren.

    Schwangerschaft und Geburt belasten Beckenboden, Bauchwand und Bindegewebe erheblich. Das übliche Bild ist eine Kombination aus Urinverlust, Schweregefühl, einem Spalt in der Bauchmitte (Rektusdiastase), einer Damm- oder Kaiserschnittnarbe, die zieht oder taub ist, und einem Körper, der noch nicht wieder das tut, was er vorher konnte.

    Wie wir behandeln

    Zuerst Atmung und Druckmanagement, dann dosierter Belastungsaufbau für Beckenboden und Bauchwand; Narbenmobilisation, sobald die Heilung es zulässt; ein Plan zurück zum Laufen und zum Heben mit Kriterien statt mit einem Datum. Unser Achterkurs deckt den Gruppenanteil ab; individuelle Probleme behandeln wir einzeln.

    Ärztlich oder von der Hebamme abklären lassen: Fieber, übelriechender Ausfluss, starke frische Blutung, aufgehende Wunde.

  • 05

    Schmerzen beim Eindringen

    Dyspareunie, Vaginismus, Vulvodynie

    Menschen jeden Geschlechts und Alters. Oft nach der Geburt, nach der Menopause, nach Operationen oder Bestrahlung im Becken, begleitend zur Endometriose — und manchmal ohne erkennbaren Auslöser.

    Schmerzen beim Eindringen — beim Sex, beim Tampon, beim Dilatator oder bei einer gynäkologischen oder urologischen Untersuchung. Der Beckenboden reagiert auf Schmerz häufig mit Anspannung, was den nächsten Versuch schmerzhafter macht. Dieser Kreis ist ein körperlicher Mechanismus, und er lässt sich unterbrechen.

    Wie wir behandeln

    Sorgfältiger, unhastiger Befund in genau der Tiefe, in die Sie einwilligen. Detonisierung und manuelle Lösung überaktiver Muskulatur, Atem- und Nervensystemarbeit, dosierte Gewöhnung mit Dilatatoren, wo es passt, und enge Abstimmung mit Gynäkologie, Urologie, Schmerzmedizin oder Psychotherapie. Das Tempo bestimmen Sie; es geschieht nichts, dem Sie nicht vorher zugestimmt haben.

    Neu aufgetretene Schmerzen mit Blutung, Fieber oder sichtbarer Veränderung gehören vor der Physiotherapie in ärztliche Hände.

  • 06

    Stuhlinkontinenz und Entleerungsstörungen

    Halten von Winden und Stuhl, Pressen, unvollständige Entleerung

    Nach Dammriss mit Sphinkterbeteiligung, nach Operationen am Enddarm, bei chronischer Verstopfung und im höheren Lebensalter.

    Schwierigkeiten, Winde oder Stuhl zu halten, überfallartiger Stuhldrang, starkes Pressen, Nachhelfen mit dem Finger von Damm oder Scheide aus (Splinting) oder das Gefühl, der Enddarm sei nie ganz leer. Diese Beschwerden werden selten angesprochen und sprechen gut auf konservative Behandlung an.

    Wie wir behandeln

    Befund von Sphinkterkraft und -koordination, Entleerungstechnik und Sitzhaltung, Abstimmung der Stuhlkonsistenz mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, gezieltes Sphinktertraining und, wo angezeigt, EMG-Biofeedback — eines der Anwendungsgebiete mit der klarsten Evidenz.

    Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust oder eine plötzliche Änderung der Stuhlgewohnheit müssen zuerst ärztlich abgeklärt werden.

  • 07

    Nach Prostataoperation

    Radikale Prostatektomie, TURP, Bestrahlung

    Männer und andere Menschen mit Prostata, vor und nach der Operation.

    Nach einer radikalen Prostatektomie fehlt der innere Schließmuskel; die Kontinenz hängt am äußeren Sphinkter und am umgebenden Beckenboden. Urinverlust direkt nach dem Ziehen des Katheters ist die Regel und keine Komplikation — bei den meisten Patienten bessert er sich über die ersten Monate deutlich.

    Wie wir behandeln

    Idealerweise beginnen wir vor der Operation, solange sich der Muskel leicht finden und ansteuern lässt. Danach: Timing des Sphinkters, dosierter Ausdaueraufbau, EMG-Biofeedback, um einen unsichtbaren Muskel sichtbar zu machen, Trink- und Belastungsstrategie für den Tag und realistische Zwischenziele. Auch spätere Beschwerden behandeln wir hier — Beckenschmerz, überaktiver Beckenboden nach Bestrahlung und der Beckenbodenanteil an der Erektionsfunktion, in Abstimmung mit Ihrer Urologie.

    Fieber, Flankenschmerz, fehlende Blasenentleerung oder starke Blutung nach der Operation gehören sofort in die Urologie oder die Notaufnahme.

  • 08

    Beckenboden bei trans und nicht-binären Menschen

    Vor und nach geschlechtsangleichender Operation

    Trans, nicht-binäre und intergeschlechtliche Patientinnen und Patienten, mit oder ohne Operation.

    Beckenbodenbeschwerden nach Vaginoplastik, Phalloplastik oder Metoidioplastik, Schwierigkeiten beim Dilatieren, Veränderungen von Harnstrahl und Kontinenz, Narben- und Beckenschmerz sowie die Folgen von langem Binden oder Tucking für Atmung und Bauchwandmechanik.

    Wie wir behandeln

    Die Behandlung richtet sich nach Ihrer Anatomie, wie sie jetzt ist, und nach dem Protokoll Ihres operierenden Zentrums — nicht nach einer Kategorie. Begleitung beim Dilatieren nach Vaginoplastik, Miktionstraining nach Harnröhrenverlängerung, Narben- und Faszienarbeit sowie Atemmechanik nach längerem Binden. Auf Ihren Wunsch stimmen wir uns mit Ihrem Zentrum ab.

    Fieber, Wundheilungsstörung, starke Blutung oder plötzlich fehlende Blasenentleerung nach der Operation gehören umgehend in Ihr operierendes Zentrum.

Wann zuerst ärztlich abgeklärt werden muss

Physiotherapie ist nicht für alles der richtige erste Schritt. Bitte lassen Sie Folgendes zuerst ärztlich abklären — wir fragen ohnehin danach und schicken Sie zurück, wenn etwas davon neu ist.

  • Blut im Urin oder im Stuhl
  • Fieber, Schüttelfrost oder Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen
  • Plötzliche starke Bauch- oder Beckenschmerzen
  • Kein Wasserlassen mehr möglich
  • Ungewollter Gewichtsverlust oder eine über Wochen veränderte Stuhlgewohnheit
  • Neu aufgetretene Taubheit im Reithosenbereich, neue Beinschwäche oder Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle nach Rückenschmerz oder Unfall — das ist ein Notfall
Ein anatomisches Modell des Beckens auf einem Regal neben gefalteten Handtüchern und einer Messinglampe.

Wenn Ihre Beschwerde nicht in dieser Liste steht, lohnt sich die Frage trotzdem. Ein kurzes Telefonat mit einer Therapeutin kostet nichts und erspart oft einen Termin.